Hier findet ihr weitere Infos und Beschreibungen zu den Veranstaltungen

Sexismus im Alltag?!
Wie sieht der Alltag von Frauen* in verschiedenen Lebensbereichen in Deutschland aus?

„Se­xis­ti­sche Struk­tu­ren sind frü­her wie heute exis­tent. Die Aus­ein­an­der­set­zung mit fe­mi­nis­ti­schen The­men ist immer noch sehr re­le­vant, be­son­ders da Frau­en heut­zu­ta­ge nur ver­meint­lich gleich­ge­stellt sind. Das zeigt sich zum Bei­spiel in un­glei­cher Be­zah­lung bei glei­cher Ar­beit. Der ver­meint­lich eman­zi­pa­to­ri­sche Er­folg auch Lohnar­beit nach­ge­hen zu dür­fen, führt zu einer Dop­pel­be­las­tung, durch Re­pro­duk­ti­on und Lohnar­beit. Neben die­sem Ar­beits­um­feld ist Se­xis­mus auch in der Frei­zeit stän­dig prä­sent durch Me­di­en, Rol­len­bil­der, Le­bens­all­tag und Kul­tur.

Wir wol­len mit euch und den ge­la­de­nen Re­fe­rent*innen über den ver­steck­ten und doch so of­fen­sicht­li­chen Se­xis­mus im All­tag spre­chen. Wo be­geg­net uns Se­xis­mus und wie kommt die­ser zum Aus­druck? Was kann ich per­sön­lich da­ge­gen tun und wie re­agie­re ich, wenn ich mit dem „all­täg­li­chen Se­xis­mus“ kon­fron­tiert werde?

Wir freu­en uns auf eine leb­haf­te, all­tags-​ und pra­xis­ori­en­tier­te Dis­kus­si­on mit euch und den Re­fe­rent*innen!
Jede*r ist gerne ge­se­hen.
Er­scheint zahl­reich, so­li­da­ri­siert euch und lasst uns ein neues Be­wusst­sein schaf­fen!“

Ge­schlech­ter­bil­der in der ex­tre­men Rech­ten
Männlichkeit(en) und Weiblichkeit(en) in der Neonaziszene

Referentin: Christiane Ritter

Ein Vortrag über Geschlechterrollen in der Neonaziszene.

„Männliche Neonazis treten als Straßenkämpfer auf, halten Reden, übernehmen Ämter und begehen Gewalttaten, weibliche Neonazis sind für Kindererziehung und Familie zuständig, backen Kuchen, dürfen auch mal von Plakaten lächeln, halten sich ansonsten aber im Hintergrund und haben erst recht nichts zu sagen: Derartige Bilder über Frauen und Männer in der Neonazi-Szene sind weit verbreitet.
Wirft man jedoch einen genaueren Blick auf die Szene, wird schnell klar, dass die „Aufgabenverteilung“ längst nicht (mehr) so eindeutig ist. Frauen- wie auch Männerbilder haben sich ausdifferenziert, wenn auch biologistische Zuschreibungen weiterhin bestimmend sind.
Der Vortrag gibt einen Überblick über verschiedene Rollenbilder und das Verständnis von „Weiblichkeit“ und „Männlichkeit“, Veränderungsprozesse werden aufgezeigt und daraus entstehende Konfliktlinien beschrieben. Wie gehen Männer in der Neonazi-Szene mit selbstbewusst agierenden Frauen um? Wie vereinbaren Frauen öffentliches politisches Engagement mit den Ansprüchen, die an sie als „Erhalterinnen des Volkes“ gestellt werden? Und wie wirken sich gesamtgesellschaftliche Veränderungen im Geschlechterverhältnis auf die Szene aus? Wie werden entsprechende Debatten und Praxen rezipiert? Diese und andere Fragen werden von der Referentin aufgegriffen und bieten Ansätze für weitere Diskussionen im Anschluss an den Vortrag.“

Aw­ar­eness­groups-Seminar

Den Ablaufplan findet ihr hier!

„Ob dumme Anmachsprüche, zudringlicher Körperkontakt oder gar die heimtückische Verabreichung sog. „KO-Tropfen“ – wenn Männer* ein „Nein!“ nicht als „Nein!“ oder eine uneindeutige Reaktion blindlings als „Ja!“ verstehen (wollen), kann sich eine eben noch gediegene Feier für viele Frauen* schnell zum zwischenmenschlichen Mienenfeld entwickeln.

Dass diverse Formen übergriffigen Verhaltens und sexualisierter Gewalt auch auf „alternativen“ Partys zuweilen keine Ausnahme bilden, ist für sich genommen schon schlimm genug. Fast noch schlimmer jedoch ist es, dass sich von grenzverletzendem Verhalten und dominantem Mackertum Betroffene oftmals mit der belastenden Situation alleine gelassen fühlen müssen, weil sie vom restlichen Publikum keinen Support erfahren.

Zumal es auf diversen Partys in Trier nicht erst in jüngerer Vergangenheit wiederholt zu teils drastischen Grenzüberschreitungen gekommen ist, bei denen eine Intervention von Außen regelmäßig ausblieb, sehen wir die Institutionalisierung einer sog. „Awareness Group“ nunmehr als einen längst überfälligen Schritt an.

Der Zweck der Gründung und Etablierung einer solchen Gruppe soll darin bestehen, zunächst vordergründig auf hiesigen Partys mit einem Team präsent zu sein, welches ein nüchternes (!) Auge auf das Geschehnis wahrt, als Ansprechpartner*in für Betroffene von übergriffigem Verhalten zugegen ist, sie ggf. bei der Durchsetzung ihrer selbst formulierten Grenzen und Interessen supportet und allgemein darauf hinwirkt, dass sexistische Kackscheiße in jedweder Form keine Duldung mehr erfährt!

Für eine solche Teamarbeit möchte dieses Seminar wichtige Grundlagen vermitteln. Wir werden uns u.a. mit Strategien zur Deeskalation von Konflikten und zum Umgang mit sexualisierter Gewalt beschäftigen, rechtliche Rahmenbedingungen kennenlernen, Infos zu Erster Hilfe bekommen und über die Aufgaben einer Awareness Group diskutieren. Wir möchten uns bestmöglich auf alle Situationen vorbereiten, in die wir als Mitglieder einer Awareness Group kommen können. Außerdem ist Raum dafür, die Fragen zu diskutieren, die euch bezüglich der Arbeit in einer Awareness Group auf dem Herzen liegen.

Die Teilnahme an dem Seminar ist für euch kostenfrei, die Mitarbeit innerhalb einer zukünftigen Awareness Group zwar wünschenswert, aber nicht verpflichtend.

Das Seminar wird in der Scheinbar der KSJ Trier am Freitag, den 25. Oktober, voraussichtlich gegen 18 Uhr beginnen und gegen 12 Uhr des darauf folgenden Sonntags enden. Genauere Angaben zum Programm folgen kurzfristig.

Anmelden: Email an astaanti@uni-trier.de.
Für Fragen rund um das Seminar stehen wir euch unter dieser Adresse gerne zur Verfügung.“

Ka­pi­ta­lis­mus und Pa­tri­ar­chat
Ge­schlech­ter­ver­hält­nis­se als Pro­duk­ti­ons­ver­hält­nis­se

Referentinnen: Carolin Amlinger, Julia Heinz

„Waren Feminismus und Marxismus in der linken Debatte lange Zeit eher konkurrierende Stiefkinder, denn Schwestern im gemeinsamen Kampf gegen (Frauen-)Unterdrückung, so zeichnen sich in den letzten Jahren Versuche ab, eine marxistisch fundierte ökonomische Analyse mit der kulturellen Kritik an Geschlechterverhältnissen zusammenzudenken.
Daran möchten wir anknüpfen und gemeinsam einige Punkte diskutieren, die die Verzahnung von Privateigentum und Frauenunterdrückung nachvollziehbar machen sollen. Denn die Herausbildung des Kapitalismus stellte eine Zäsur für die Beziehungsform zwischen Männern und Frauen dar. Vor dem Hintergrund neuer technisch-technologische sowie politischer Entwicklungen erodierte die auf Selbstversorgung und geringe Arbeitsteilung ausgerichtete Sozialform des ganzen Hauses: Die Produktion wurde immer stärker aus dem Haushaltsverband ausgelagert, es erfolgte eine Separierung in einen von Männern geprägten Erwerbs-, und von Frauen ausgefüllten Wohnbereich.
Mit der Trennung von „produktiver“ Lohnarbeit und „unproduktiver“ Reproduktionsarbeit kam es auch zu einer neuen Qualität der binären Geschlechterkonstruktion. Männer und Frauen wurden zwar schon früher polarisierend einander abgegrenzt, doch werden die kulturellen Geschlechterunterschiede nun in den zeitgenössischen biologisch-naturwissenschaftlichen Diskursen anthropologisch in eine vermeintliche „Natur“ des jeweiligen Geschlechtes eingeschrieben: Der „vernünftige Plan der Natur“ sah Frauen nun ausschließlich in der Sphäre der nun weiblich konnotierten Privatheit und Männer in der erwerbszentrierten Öffentlichkeit.
Neben der historischen Genese des Patriarchats wollen wir auch gemeinsam aktuelle Probleme von Frauen im Kapitalismus diskutieren.“

zu den Referentinnen:
Carolin Amlinger M.A. (geb. 1984) ist Soziologin. Sie studierte Psychologie, Philosophie, Soziologie und Germanistik an der Universität Trier. Das Thema ihrer Magisterarbeit war Die verkehrte Wahrheit – Zum Verhältnis von Ideologie und Wahrheit (Prof. Dr. Bernd Dörflinger, Prof. Dr. Ulrich Brinkmann). Von 12/2012 bis 10/2013 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Trier (Lehrstuhl für interkulturelle Gender studies, Prof. Dr. Andrea Geier). Sie ist seit 10/2013 Doktorandin am Institut für Sozialforschung in Frankfurt/M. und promoviert zu Prekäre Autonomie – Die Arbeit von SchriftstellerInnen im flexiblen Kapitalismus (Prof. Dr. Ulrich Brinkmann, Prof. Dr. Franziska Schößler, Universität Trier).
Dipl. Psychologin Julia Heinz (geb. 1987) schloss in diesem Jahr ihr Studium an der Universität Trier ab. Sie lebt in Berlin und arbeitet seit einigen Jahren zu feministischen Themen.“

Gleichberechtigungskritik (Arbeitstitel)
Frauenfrage heute – Zwischen Gleichberechtigung und Anti-Diskriminierungspolitik

Referentin: Margaret Wirth

„So ziemlich alle Welt ist sich heutzutage einig: Um Frauen muss sich in unserer Gesellschaft besonders gekümmert werden; dieser Teil der Menschheit benötigt eine besondere Betreuung. Die wird ihr auch lebhaft zuteil: Noch jede gesellschaftliche und politische Organisation lobt sich dafür, Frauen besondere Berücksichtigung zuteil werden zu lassen. Es gibt Frauenbeauftragte, Gleichstellungsbeauftragte, Quotenregelungen, selbst in der Sprache dürfen sich Frauen inzwischen gleichberechtigt vertreten sehen. Als Frau darf man sich überall zu Wort melden, sich auf eine besondere Betroffenheit berufen und Berücksichtigung einfordern.
Die Anerkennung, die die Frauenfrage inzwischen bis in höchste politische Gremien hinein genießt, gilt auch bei Kritikern der Gleichberechtigung als Fortschritt der Frauenbewegung. Dabei merkt noch jeder, dass diese Anerkennung in Kontrast dazu steht, wie es den allermeisten Frauen nach wie vor tatsächlich geht.
Gegen die Behauptung einer immer noch fehlenden „echten Gleichberechtigung“ und einer „Diskriminierung der Frau“ sollen im Vortrag folgende Gegenthesen entwickelt werden:
Erstens: Die Forderung nach Gleichberechtigung geht an den Gründen für die Schlechterstellung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt ebenso vorbei wie an den Gründen für die unschönen Formen, die das Leben zu zweit gelegentlich annimmt. Dass die rechtliche Gleichstellung die Lage der meisten Frauen nur unwesentlich verbessert, liegt daran, dass die rechtliche Ungleichheit gar nicht der Grund für diese Lage ist.
Zweitens geht auch die Auffassung an der Sache vorbei, die „Diskriminierung der Frau“ läge am Weiterbestehen eigentlich längst überholter „Verhaltensmuster“ bei Personalchefs und oder Männern überhaupt. Solche „Vorurteile“ sind vielmehr die zur kapitalistischen Konkurrenz genau passende Geisteshaltung, mit der Mann wie Frau den Leistungsansprüchen von Kapital und Staat unterworfen werden.“

Zur Referentin: Die in Oxford geborene Margaret Wirth ist Politik- und Wirtschaftswissenschaftlerin. Von 1973 bis zu ihrer Emeritierung 2006 war sie Professorin für Politikwissenschaft in Bremen. Neben dem Verhältnis von Staat und Wirtschaft, Krisenpolitik und Krieg hat sie auch immer wieder zu der gesellschaftlichen Stellung der Frau gearbeitet und veröffentlicht.

Gleichberechtigter Heterosex* in hierarchischen Geschlechterverhältnissen?

Referentin: Madeline Doneit

„Führende Sexualwissenschaftler_innen sprechen gerne von einer – im Zuge der sexuellen Revolution und Neuen Frauenbewegung – erreichten sexuellen Gleichstellung von Männern* und Frauen*. Heterosexualität* ist ihnen zufolge heute bestimmt durch eine Orientierung an »wechselseitiger Lust« und »geschlechtsegalitärer Aushandlung«. Keine Frage: Die sexuellen Handlungsmöglichkeiten junger Frauen* haben sich im Vergleich zu früheren Generationen deutlich erweitert. Ist es allerdings wirklich schon an der Zeit, die Frage nach geschlechtlichen Machtverhältnissen in der Sexualität fallen zu lassen?
In meinem Vortrag möchte ich aufzeigen, dass die Norm der Heterosexualität* aus (queer-)feministischer Perspektive – zusätzlich zur Kritik an der mit ihr einhergehenden Abwertung von nicht-heterosexuellen* Sexpraktiken und Lebensweisen –noch immer als stabilisierend für hierarchische Geschlechterverhältnisse allgemein und für tendenziell hierarchisch verteilte Handlungsmöglichkeiten in konkreten sexuellen Begegnungen zwischen Männern* und Frauen* kritisiert werden muss. Um diese Fragen soll es genau gehen: Wie nimmt die »Heteronorm« Einfluss auf unsere Sexualität -darauf, wie wir Sex verstehen, wie wir unserer Lust und Unlust begegnen, was wir fühlen, was für uns vorstellbar ist beim Sex zu tun und was eben auch nicht? Welche unterschiedlichen Normen und Erwartungen werden hier gesellschaftlich an Männer* und Frauen*, Jungen* und Mädchen* herangetragen? Was ist vermeintlich »richtige« männliche* und weibliche* Sexualität? Meine These ist, dass gegenwärtige Normen und Ideale von Heterosexualität* auch heute noch die Aushandlung von einvernehmlichem und wechselseitig lustvollem Sex zwischen Frauen* und Männern* erschweren. Erfahrungen von Machthierarchien und Fremdbestimmtheit in der Sexualitätdürfen nicht als »private«, »selbstverschuldete« Probleme leise gemacht werden – Barrieren von (hetero*)sexuellem Konsens sind vielmehr im Konzept der Heterosexualität* angelegt.
Ich freue mich darauf, mit euch die Barrieren von heterosexuellem* Konsens zu diskutieren – wie auch mögliche Chancen und Wege, diese zu überwinden (z.B. mithilfe des »Yes means Yes«-Konzepts)!“

Madeline Doneit hat in Köln Erziehungswissenschaft studiert; sie macht queer-feministische Mädchen*arbeit und Sexualpädagogik. Der Vortrag basiert auf ihrer Bachelor-Arbeit »Alles Konsens?! Eine macht- und herrschaftskritische pädagogische Perspektive auf die Bedingtheit sexueller Handlungsmöglichkeiten durch ›Geschlecht‹«. Seit diesem Semester studiert Madeline den Master Gender Studies in Bochum.

Siehe auch: http://maedchentreffaltefeuerwache.wordpress.com

Filmvorführung

Zeit sich nach den vielen interessanten Veranstaltungen und Diskussionen zurück zu lehnen, ein wenig zu entspannen und einen spaßigen Film zu schauen.
Am Wochenende kann sich dann bei der „Break the Silence“ Party in der Villa Wuller ausgetobt und -getanzt werden.
Wenn ihr das genauso seht wie wir, kommt zu unserem wundervollen Filmabend, esst reichlich Süßkram und Knabberzeug und sinniert nach dem Film bei einem leckeren Bierchen oder sonstiger Brause.

Break the Silence Party

Damit die Feierei noch bunter und fröhlicher wird, habt ihr die wunderbare Möglichkeit euch neben der Garderobe zu schminken!
Wir werden Einiges an Schminkkram zur Verfügung stellen und ihr dürft aus nach Herzenslust austoben und aus euch machen, was ihr möchtet.
Wer schon verwandelt zum „anderen Geschlecht“ kommt, darf zu einem ermäßigten Eintritt in die Feierhöhle. Ganz klar ist, dass diese Party unter dem Motto eines solidarischen und sexismusfreien Miteinanders steht und wir somit ätzendes Mackerverhalten und doofe Anmachen nicht dulden werden – und das nicht nur an diesem Tag.
Außerdem wird unsere neue „Awareness Group“ anwesend sein und euch im Falle von Grenzüberschreitungen als Ansprechpartner*innen zur Seite stehen.

Nähere Infos folgen in Flyerform am Abend selbst. Also kommt rum, tanzt, habt Spaß und support your local rrriot gangs!